Wie riecht eine Biogasanlage?

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Den Aktiven von Bündnis 90 / Die Grünen wird ja gern, vor allem im Vergleich mit der angesagten Piratenpartei, eine gewisse Technikfeindlichkeit unterstellt. Um das an mir zu überprüfen, habe ich eine Biogasanlage besichtigt, bei schönstem Wetter im nördlichsten Zipfel Stormarns.

Die Technik

Der Landwirt hatte aus seiner Zeit als Milchbauer bereits Erfahrungen mit Anlagen, die nach Bundesimmissionsschutz-Gesetz, kurz BImSchG, genehmigt werden. Daher ließ er auch seine Biogasanlage entsprechend diesem Gesetz genehmigen, obwohl sie von der installierten Leistung her auch als sogenanntes „Privilegiertes Bauvorhaben“ hätte genehmigt werden können.

Die seit 7 Jahren betriebene Biogasanlage besteht aus 3 großen Fahrmieten von je rund 1.200 m² (den Lagern für den kleingehäckselten nachwachsenden Rohstoff), dem Aufgabecontainer für die Tagesration Rohstoff (hier 30 t Maishäcksel) und 3 äußerlich gleichartigen Behältern (Fermenter, Nachklärer und Gärproduktlager). Zwischen Fermenter und Nachklärer bildet ein kleines Technikgebäude die Brücke. Hier werden sämtliche Prozesse der Biogasherstellung kontrolliert und gesteuert. Ein Blick durch das Schauglas des Fermenters zeigt eine träge rotierende dunkle Schlammoberfläche, wie ein Hefevorteig. Im Fermenter werden ca. 65 % des Biogases gewonnen, im Nachklärer 35 %.

Neben der ersten Fahrmiete befindet sich das Kraftwerk der Anlage in einem schallgedämmten Container. Hier treibt ein 6-Zylindermotor den 700-KW-Generator an. Der erzeugte Strom geht zu 98 % in das Netz, rund 2 % werden in der Anlage benötigt. Das erzeugte Biogas wird auch für die Aktivierung (Heizung) und Steuerung der Prozesse im Fermenter und Nachklärer sowie für die Heizung von Wohnhäusern und Betriebsgebäude und der Trocknungsanlage für Holzschnitzel genutzt.

Die Erkenntnis

Die Silage verbreitet einen leicht säuerlichen, jedoch nicht unangenehmen Geruch. Spannend wird es beim Substrat: Die Abfüllanlage für das flüssige Substrat befindet sich am Gärproduktlager. Aus der Entfernung sieht es aus wie Gülle, aus der Nähe immer noch wie Gülle – aber ohne Klüten, es ist ein relativ homogener Brei, olivfarben. Ich gehe näher ran – rieche nichts, ich stecke meine Nase praktisch in den topfartigen Ansaugstutzen, ich rieche ein kleines bisschen. Erstaunlich! Verzückt verharre ich und ich wusste nun: Sollte Frau B. aus Daheim/Heimgarten jemals dieses Erlebnis zuteil werden, würde sie sich nur noch Biogasanlagen in Ammersbek wünschen und keine Tiermastbetriebe mehr. Und sie würde die Gemeinde angreifen, weil nur 6 Biogasanlagen gebaut werden dürfen! Aber ich schweife ab.

Sie merken schon, ich habe mich ein bisschen in die Technik verliebt, sie ist einfach und klar und recht gut automatisch zu steuern und nützt, wenn die Prozesse eingefahren sind. Soviel zum Technikfeind Grüner!

Die Kritik

Warum dann immer diese Bedenken gegen die Biogaserzeugung? Der Geruch ist nicht der Grund, siehe oben. Auch klar: die Bedenken richten sich nicht gegen die Technik an sich! Es geht wie so häufig um deren Folgen und deren Exzesse.

Die Anlagen haben einen Schwachpunkt, die großen Fahrlager. Diese werden aus Beton hergestellt. Beton dehnt sich bei Wärme aus, schrumpft bei Kälte genauso wie viele andere Materialien. Daher können die Lager nicht aus einem Stück Beton hergestellt werden, im Boden und in den seitlichen Wällen aus Beton müssen die Segmente mit Ausdehnungsfugen versehen werden. Die Fugen halten der aggressiven Silage-Flüssigkeit nicht lange stand, sie müssen regelmäßig kontrolliert und gewartet (nachgebessert) werden. Sonst sickert diese vor Nährstoffen strotzende Flüssigkeit in das Grundwasser.

Bei einer Musteranlage wie hier beschrieben kein Problem. Doch viele andere Anlagen im Land hatten damit nach Feststellung der Aufsichtsbehörden ein Problem und Grundwasser wurde mit Nährstoffen verunreinigt. Die Anlagen funktionieren optimal nur mit einer Art Rohstoff oder mit einem Gemisch mit immer gleicher Zusammensetzung. Auf Grund des hohen Ertrags wird Mais bevorzugt. Ein Maisanbau ohne Fruchtwechsel laugt den Boden komplett aus, macht ihn nach wenigen Jahren unbrauchbar. Maisanbau im großen Stil verödet also die Landschaft. Leider fehlt es den meisten Betreibern für einen Fruchtwechsel an der notwendigen Ackerfläche.

Der Landwirt der hier vorgestellten, vorbildlichen Anlage hat das Problem durch eine Partnerschaft gelöst. Ein befreundeter Landwirt hat genügend Fläche, so dass auf 800 ha verfügbaren Land 230 ha Mais angebaut werden. Damit ist die Fruchtfolge gewährleistet. Wie weit sind die Wege von geernteten Rohstoff zum Fahrlager? Die durch die Kraft fossiler Brennstoffe heran gekarrten nachwachsenden Rohstoffe trüben natürlich die CO2-Bilanz.

In einigen Regionen ballen sich Anlagen. Folglich stehen in der Nähe nicht genügend Anbauflächen zur Verfügung, die Transportstrecken verlängern sich enorm und es gibt auch nicht genügend Abnehmer für das Biogas. Produziert die Anlage jedoch nur Strom, läuft sie weit ab von der erhofften Effizienz.

Biogas aus Rückständen der Landwirtschaft zu gewinnen ist sinnvoll. Aber sollten wir nicht lieber Nahrungsmittel anbauen, statt wertvolle Flächen ausschließlich für nachwachsende Rohstoffe zu verschwenden – aus der Sicht des hungernden Teils der Weltbevölkerung.

Das sind nur einige wenige Punkte, die Anlass zur Kritik geben können und es gibt noch eine Reihe mehr.


Das Fazit

Stimmen alle Faktoren überein, technisch gut geführte Anlage, ausreichend Anbaufläche für Fruchtwechsel, gute Verkehrsanbindung und eine Verwertungsmöglichkeit für das Biogas, dann ist eine Biogasanlage eine wunderbare Sache zur Erzeugung von Energie aus nachwachsenden Rohstoffen.

Ideal wäre es dabei, wenn die Verteilung der Anlagenstandorte mindestens auf Kreis- oder Länderebene erfolgen würde, noch effektiver wäre dies auf dem Level eines Bundesamtes für erneuerbare Energien.